Der Weg raus aus den Downrounds

Wir werfen einen Blick in den Delta Report’23: Was bedeutet es für Startups, wenn nicht nur eine, sondern mehrere Krisen gleichzeitig die Welt erschüttern und damit auch die Wirtschaft und Gründungen treffen? Neben steigenden Energiepreisen spielen hier vor allem Aspekte wie die steigenden Leitzinsen und andere Unsicherheitsfaktoren wie der Krieg in der Ukraine eine entscheidende Rolle für das Investitionsklima.
In seiner Rolle als Program Manager der Masterclasses des Gründermotors bekommt Björn viel von den aktuellen Entwicklungen in der Investment- Welt und der Stimmung unter den Startups mit. Im Folgenden gibt er einen kurzen Überblick über die aktuelle Situation sowie die von seinen Kolleg:innen und ihm wahrgenommenen Veränderungen und Chancen.

Zu sehen ist ein Paket mit dem Delta Report.

Text: Björn Brenner | Delta Report’23 (5 MB)

Die Rekord-Jahre sind vorbei

Bis Anfang 2022 war die Startup-Welt noch in Ordnung oder besser gesagt euphorisch. Den meisten Startups im Land fiel es bis dahin nicht schwer, Finanzierungsrunden in geplanter Höhe und Timing abzuschließen. Teilweise fielen diese Runden sogar größer aus als geplant und das bei schon relativ hohen Bewertungen. Im gesamten Jahr 2022 erhielten Startups dann signifikant weniger frisches Kapital als noch im Vorjahr.

Insgesamt wurden 2022 laut dem Startup-Barometer der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (2023) 9,9 Milliarden Euro in deutsche Startups investiert, was einem Rückgang von 43 % gegenüber 2021 entspricht. Die Anzahl der Deals war im Jahr 2023 ebenfalls rückläufig mit einem geschätzten Rückgang um 40 %. Das Volumen der Deals nahm hierbei um 53 % ab (Venture-Capital-Marktstudie 2023, PwC).

Downrounds: bittere Pille und kleineres Übel

Während sich viele Startups 2021 noch über große (Pre-)Seed-Runden mit einer hohen Bewertung freuten, zeigte sich für viele schnell, dass dies ein zweischneidiges Schwert sein kann. Denn wenn nach einer solchen erfolgreichen Runde die nächste Runde ansteht und diese auf einen stark abgekühlten Investment- Markt trifft, kann dies zu einer sogenannten Downround führen. Damit ist eine Runde mit einer Bewertung gemeint, die unter der Bewertung der letzten Runde liegt. Den Teams, die ein neues Investment gebraucht und es nicht geschafft haben, auf eine mittelfristig über Wasser haltende Bridgeround auszuweichen, blieb nichts anderes übrig, als die bittere Pille einer Downround zu schlucken. In fast allen Fällen jedoch besser als Insolvenz anmelden zu müssen und die Geschäfte einzustellen.

Leider haben auch einige der Startup Teams, mit denen wir in Kontakt stehen, im Jahr 2023 eine Downround hinnehmen müssen. Und damit waren sie nicht alleine. Zur Einschätzung der Größenordnung: Der State of European Tech gibt an, dass 20 % der in Europa durch Tech-Startups durchgeführten Finanzierungsrunden im ersten Quartal 2023 Downrounds waren. In ganz Deutschland beobachtete PwC 2023 einen Anstieg um 92 % bei den Insolvenzen von Startups.

Was geht aktuell? Was nicht?

Weiterhin ist eigentlich alles möglich, auch wenn es schwerer geworden ist. Bei allen Runden zählt es für Startups den richtigen VC als Lead-Investor zu finden. Wir hören immer wieder, dass dies aktuell der schwierigste Part ist. Aufgrund der aktuellen Großwetterlage fällt es Startups nicht schwer, allgemein Investor:innen zu finden, wohl aber einen Investor oder eine Investorin zu finden, der oder die in der Runde in den Lead geht.

Und das scheint für alle Runden zu gelten, egal ob Pre-Seed, Seed, A oder Bridge. Die Zurückhaltung ist scheinbar vor allem von der Ticket- Größe abhängig – kleinere (Auffüll-) Tickets lassen sich leichter finden als das große Lead-Ticket.

Die Angst ein außergewöhnliches Investment zu verpassen

Und am Ende zählt für Investor:innen, egal in welcher Runde und egal für welche Ticket-Größe, dass ein Startup die Angst auslöst, eine einmalige Investmentchance zu verpassen. Wir beobachten, dass Startups im Erzeugen dieses Gefühls immer erfolgreicher werden.

Nicht nur die unbestrittenen Fundraising Champions in BW, Volocopter und Aleph Alpha, haben überregional und weltweit Investor: innen angezogen. Auch Startups wie Paretos, Flip, MARKT-PILOT oder AskUI haben größere Seed-Runden eingesammelt mit Investor:innen, die nicht nur in The Länd ansässig sind. Sie alle sind in ihren Branchen mit ihrem Geschäftsmodell und ihrer Technologie führend und konnten schon viele sehr namhafte und große Unternehmen in BW und darüber hinaus überzeugen. Neben den Trend-Themen New Work und künstliche Intelligenz sind in BW bei Investor:innen vor allem funktionierende B2B-Geschäftsmodelle gefragt, die den starken Mittelstand als Kunden überzeugen. Deutschlandweit ließ sich hier laut der Venture- Capital-Marktstudie von PwC (2023) entgegen dem allgemeinen Abwärtstrend ein Anstieg an VCInvestments beobachten.

Über lebensrettende Rettungsringe

! Damit nicht eine ganze Kohorte an Startups wegbricht, hat The Länd zu Beginn der Covid-Pandemie Start-up BW Protect etabliert.

Dieses Mittel hat einige Startups sicher bis ins Jahr 2023 gebracht. Und auch im Jahr 2023 war die Weiterführung und Ausweitung von Start-up BW Pre-Seed, dem gefragten frühphasigen Investment- Förderinstrument des Wirtschaftsministeriums von Baden- Württemberg, sehr wichtig. Viele Startups konnten sich hiermit genug Runway sichern, um zu beweisen, dass ihr Geschäftsmodell tragfähig und noch weiter skalierbar ist – eben jene wichtige Voraussetzung, um eine erfolgreiche Seed-Runde zu raisen.

Zusätzlich versorgen einige Akteure im Ökosystem Startups mit kleineren, aber nicht unbedeutenden Summen als Unterstützung.

Besserung ist in Sicht

Ein Trend, der uns sehr zuversichtlich stimmt, ist die Bildung von weiteren VC Fonds sowohl in the Länd als auch in weiteren Bundesländern, in die Mittelständler, Family Offices und andere Gründer:innen investieren. Das beste Beispiel hierfür ist Mätch VC. Aber auch die Bildung von Business- Angel-Netzwerken mit speziellem Fokus, wie Partners in Clime, tragen zum zunehmenden und sich verbreiternden Angebot an Finanzierungsoptionen für Startups bei. Unserer Wahrnehmung nach werden auch Family Offices und Corporate VCs zunehmend sichtbar und direkt aktiv.

Außerdem werden, nachdem die Gründungszahlen seit 2022 leider wieder gesunken sind, sich in Zukunft verhältnismäßig mehr Investor:innen um eine geringere Zahl an erfolgsversprechenden Deals bemühen. Potenziell gute Zeiten für Startups, die überzeugende Geschäftsmodelle aufbauen. Umso mehr, da Expert:innen für die zweite Jahreshälfte 2024 mit steigenden IPO-Zahlen und einer damit einhergehenden Markterholung rechnen (Venture-Capital-Marktstudie 2023, PwC).

Dieser Text ist ein Beitrag aus dem Delta Report’23 – Hier geben wir einen Überblick über die spannendsten Themen: Investments in Krisenzeiten, War for Talents und das Startup-Ökosystem 2.0. Außerdem zeigen wir, auf welche Herausforderungen der Gründermotor gestoßen ist und feiern mit euch unsere Erfolge und vergangenen Events. Lade dir jetzt den Delta Report’23 (5 MB) herunter.

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